{"id":4241,"date":"2020-07-06T16:17:47","date_gmt":"2020-07-06T14:17:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.feuerwehrverband-saarbruecken.de\/?p=4241"},"modified":"2024-07-26T10:37:24","modified_gmt":"2024-07-26T08:37:24","slug":"das-corona-virus-ergaenzung-xi-wiederaufnahme-der-first-responder-einsaetze-im-feuerwehrdienst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.feuerwehrverband-saarbruecken.de\/?p=4241","title":{"rendered":"Das Corona-Virus (Erg\u00e4nzung XI):  Wiederaufnahme der \u201eFirst Responder\u201c-Eins\u00e4tze im Feuerwehrdienst"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Entwicklung der Pandemie durch das SARS-CoV 2 Virus schreitet mit einer Verringerung der Neuinfektionen voran und stellt uns immer neue Fragen: <\/p>\n\n\n\n<p>K\u00f6nnen wir den First Responder-Dienst (organisierte Erste Hilfe) wieder aufnehmen?<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Feuerwehren sind seit vielen Jahren vorbildlich im Bereich der organisierten Ersten Hilfe t\u00e4tig. Hierbei verfolgen sie gerade bei lebensbedrohlichen Situationen das Ziel, das therapiefreie Intervall zu verk\u00fcrzen. Gerade bei einem Herz-Kreislaufstillstand kann hierdurch die \u00dcberlebenswahrscheinlich des betroffenen Patienten deutlich verbessert werden, jede Minute fr\u00fcheres Eintreffen am Patienten optimiert die Erfolgsrate um 10 Prozent. Dabei stellt die Organisierte Erste Hilfe keine Konkurrenz zur klassischen Erste Hilfe durch Laien oder zum professionellen Rettungsdienst, sondern eine Erg\u00e4nzung, Verbesserung und Optimierung, dar.   Grunds\u00e4tzlich gilt es festzustellen, dass die rettungsdienstliche Versorgung der Bev\u00f6lkerung im internationalen Vergleich gut ist und den gesetzlichen Vorgaben entspricht.  Die Grundlage f\u00fcr die organisierte Erste Hilfe, deren T\u00e4tigkeit und Alarmierung findet sich in den l\u00e4nderspezifischen Regelwerken.<\/p>\n\n\n\n<p>Es stellt grunds\u00e4tzlich eine freiwillige T\u00e4tigkeit der Feuerwehren oder der Hilfsorganisationen dar, eine Kosten- oder Materialerstattung ist nicht vorgesehen. Hierdurch wird noch einmal das hohe Engagement der durchf\u00fchrenden Helfer belegt. Zum Schutz der Gesundheit der Feuerwehrangeh\u00f6rigen und zur Sicherstellung der Kern- und vor allem Pflichtaufgaben der Feuerwehren haben wir im Rahmen der Pandemie eine vor\u00fcbergehende Einstellung des First Responder-Dienstes empfohlen. Nachdem nun die Pandemie derzeit einen erfreulichen Verlauf nimmt, stellt sich die Frage, ab wann dieser doch wichtige Dienst wieder aufgenommen werden kann. Aus epidemiologischer und infektiologischer Sicht spielt sicher der Gesundheitsstand der Feuerwehr, der (regionale) R-Wert, die (7-Tages-) Inzidenz und weitere Parameter zur Beurteilung der Pandemiedynamik eine Rolle. Bei der Entscheidung sollte auch der Zeitpunkt der R\u00fccknahme des Katastrophenfalls (beispielsweise Bayern), der Pandemieerkl\u00e4rung (WHO) und des Ausnahmestandes (Bund) einbezogen werden. Rechtlich sind in diese Entscheidung neben dem Leiter und Verantwortlichen der Feuerwehr, der Unternehmer selbst, auch der Tr\u00e4ger des Rettungsdienstes (zum Beispiel Zweckverband) und der \u00c4rztliche Leiter Rettungsdienst (\u00c4LRD) einzubinden. Die Risikoeinsch\u00e4tzung kann nach folgender Formel terminiert werden: <\/p>\n\n\n\n<p>Eine generelle und allgemein g\u00fcltige Antwort auf die Frage zur Wiederaufnahme kann daher nicht gegeben werden, sondern bedarf einer differenzierten Diskussion aller Beteiligten unter Ber\u00fccksichtigung aller Parameter vor Ort.<br>Allerdings stellt diese Z\u00e4sur dieses Dienstes eine g\u00fcnstige Gelegenheit dar, die gegebenenfalls tradierten Strukturen des Dienstes zu evaluieren und gegebenenfalls entsprechend durch \u00c4nderungen anzupassen. Hierzu erlaube ich mir folgende Fragen \uf0b7 Stimmen meine Alarmierungsschwellen und -indikationen? \uf0b7 Sind meine personellen Kapazit\u00e4ten noch entsprechend? \uf0b7 Ist meine materielle Ausstattung dem Dienst angemessen? \uf0b7 Ergeben sich Ausbildungsdefizite bei den Helfern? \uf0b7 Sind die inneren und \u00e4u\u00dferen Strukturen dienlich? \uf0b7 Ist ein Hygienekonzept vorhanden? \uf0b7 Besteht eine Gef\u00e4hrdungsanalyse gem\u00e4\u00df DGUV-Vorschrift 49? \uf0b7 Die gesetzlichen Anforderungen an Personal und Material werden erf\u00fcllt? Betrachtet man konservativ die Aufgabe der Abwendung von Lebensgefahr in zeitkritischen Situationen k\u00f6nnten folgende Antworten entstehen: Alarmierungsindikationen \uf0b7 Bewusstlosigkeit \uf0b7 ausgepr\u00e4gte oder akute zunehmende Atemnot, Zyanose, Herz-Kreislaufstillstand \uf0b7 thorakaler Vernichtungsschmerz \uf0b7 Sturz aus gro\u00dfer H\u00f6he \uf0b7 Polytrauma \uf0b7 schwere \u00e4u\u00dfere Blutung <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-vivid-red-color\"><strong>Ausstattung \uf0b7 Notfall-Sanit\u00e4tsbeh\u00e4ltnis (nach DIN 13155) \uf0b7 Verbandsmaterial \uf0b7 Produkt zur Immobilisierung der Halswirbels\u00e4ule \uf0b7 Sauerstoffapplikationsm\u00f6glichkeiten \uf0b7 Beatmungshilfe.  Absaugpumpe \uf0b7 Automatisierter externer Defibrillator (AED) \uf0b7 Hygiene-Schutzausstattung \uf0b7 Funk- und Alarmierungsm\u00f6glichkeiten \uf0b7 Feuerwehrausstattung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen des Gesundheits- und Hygienemanagements empfehlen wir die Beachtung folgender<\/p>\n\n\n\n<p>Hinweise zur Hygiene:<\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich nehmen nur k\u00f6rperlich geeignete Feuerwehrkr\u00e4fte an den Eins\u00e4tzen teil, das hei\u00dft sie sind gesund und insbesondere frei von ansteckenden Krankheiten und Fieber. Erkrankungen, vor allem Infektionserkrankungen werden unverz\u00fcglich dem Leiter der Feuerwehr angezeigt. Die pers\u00f6nliche Hygiene wird intensiv beachtet. Die H\u00e4nde werden regelm\u00e4\u00dfig, am besten vor dem Einsatz desinfiziert gewaschen und gegebenenfalls desinfiziert. Nies- und Hustenetikette werden beachtet. Abstandsregeln werden eingehalten. Im Ger\u00e4tehaus wird ein Mund-Nasen-Schutz (MNS) getragen. Die Schutzkleidung wird grunds\u00e4tzlich nur im Feuerwehrger\u00e4tehaus\/auf der Feuerwache aufbewahrt. Die Schutzkleidung wird regelm\u00e4\u00dfig, vor allem nach dem Einsatz gewechselt, gereinigt oder mit mindestens 60 Grad gewaschen Im Einsatz wird saubere Einsatzkleidung getragen. Im Ger\u00e4tehaus wird kontaminierte Schutzkleidung und Privatkleidung getrennt aufbewahrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor dem First Responder Einsatz:<\/p>\n\n\n\n<p>\uf0b7 Grunds\u00e4tzlich wird eine geeignete Schutzkleidung getragen. \uf0b7 Die Schutzkleidung wird durch eine FFP 2 oder 3-Maske bei Rettungst\u00e4tigkeiten an Patienten erg\u00e4nzt. Die Maske muss richtig \u00fcber Mund, Nase und Wangen platziert sein und an den R\u00e4ndern m\u00f6glichst eng anliegen. Die Au\u00dfenseite der gebrauchten Maske ist potentiell erregerhaltig. Um eine Kontaminierung der H\u00e4nde zu verhindern, sollte diese m\u00f6glichst nicht ber\u00fchrt werden. \uf0b7 Die Schutzkleidung wird durch eine Schutzbrille und Einweg-Infektionshandschuhe erg\u00e4nzt \uf0b7 Ein H\u00e4ndedesinfektionsmittel wird im Einsatzfahrzeug vorgehalten<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Patientenversorgung:<\/p>\n\n\n\n<p>\uf0b7 Zun\u00e4chst wird bei der Befragung des Patienten (Anamnese) ebenfalls ein Mindestabstand eingehalten. \uf0b7 Der Mindestabstand wird nur f\u00fcr unmittelbare T\u00e4tigkeiten am Patienten verringert. \uf0b7 Es sollte eine \u00fcberm\u00e4\u00dfige Aerosolbildung vermieden und f\u00fcr eine gute Bel\u00fcftung des Einsatzraumes gesorgt werden. \uf0b7 Der Patient wird mit einem MNS, gegebenenfalls einer Sauerstoffmaske versorgt. \uf0b7 Unter Umst\u00e4nden kann bei einer Reanimation auf die Beatmung verzichtet werden, Beatmungshilfen (Maske, Beutel) k\u00f6nnen verwendet werden. \uf0b7 Nach einem Patientenkontakt erfolgt eine Desinfektion der H\u00e4nde<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem First Responder Einsatz und R\u00fcckkehr zum Standort:<\/p>\n\n\n\n<p>\uf0b7 Es erfolgt eine erneute Waschung der H\u00e4nde, ersatzweise eine Desinfektion \uf0b7 Korrektes Ablegen der Schutzbrille und Schutzmaske, gefolgt von einer erneuten Reinigung der H\u00e4nde. \uf0b7 In Schutzkleidung wird auf Rauchen, Essen oder auf private Verrichtungen und Erledigungen verzichten. Die FFP 2 oder 3-Maske wird durch einen MNS ersetzt. \uf0b7 Alle verwendeten Einmalartikel einschlie\u00dflich MNS werden sachgerecht entsorgt. \uf0b7 Alle verwendeten Mehrwegartikel werden ebenfalls sachgerecht gesammelt und einer Desinfektion und Reinigung zugef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem First-Responder Einsatz am Standort:<\/p>\n\n\n\n<p>\uf0b7 Vorhalten von H\u00e4nde- und Fl\u00e4chendesinfektionsmittel \uf0b7 Vorhalten von Hautschutzprodukten \uf0b7 Desinfektion und Reinigung s\u00e4mtlicher Artikel, Materialien und Fl\u00e4chen, die denkbar mit dem Patienten Kontakt hatten, zum Beispiel Notfallbeh\u00e4ltnis, Medizinprodukte, hierzu werden Handschuhe, MNS und eine Einwegsch\u00fcrze getragen \uf0b7 Desinfektion und Reinigung aller Kontaktfl\u00e4chen im Einsatzfahrzeug (Sitz, Lenkrad, Schalthebel etc.) \uf0b7 Sachgerechtes Ausziehen der Schutzkleidung, diese wird einer Reinigung, bzw. Waschung zugef\u00fchrt. \uf0b7 gegebenenfalls Duschen \uf0b7 Ersatz aller verbrauchten Artikel, insbesondere der Schutzausstattungen. \uf0b7 Das Ger\u00e4tehaus wird in Privatkleidung nach einer abschlie\u00dfenden und erneuten H\u00e4ndereinigung verlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Friedrich,<\/p>\n\n\n\n<p> Medizinaldirektor Bundesfeuerwehrarzt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Entwicklung der Pandemie durch das SARS-CoV 2 Virus schreitet mit einer Verringerung der Neuinfektionen voran und stellt uns immer neue Fragen: K\u00f6nnen wir den First Responder-Dienst (organisierte Erste Hilfe) wieder aufnehmen? Viele Feuerwehren sind seit vielen Jahren vorbildlich im Bereich der organisierten Ersten Hilfe t\u00e4tig. 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